{"id":2484,"date":"2018-09-27T17:00:26","date_gmt":"2018-09-27T15:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/meet2respect.de\/?p=2484"},"modified":"2018-09-27T17:00:26","modified_gmt":"2018-09-27T15:00:26","slug":"islam-meets-lgbti-im-haus-der-weisheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rmlsbti.ohne-unterschiede.de\/?p=2484","title":{"rendered":"Islam meets LGBTI im Haus der Weisheit"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t[vc_row][vc_column][vc_single_image image=&#8221;2487&#8243; img_size=&#8221;large&#8221; add_caption=&#8221;yes&#8221; alignment=&#8221;center&#8221;][vc_column_text]Warmherzig, offen und trotz aller Kontroversen durchaus auch humorvoll gestaltete sich die Begegnung von lesbischen und schwulen F\u00fchrungskr\u00e4ften mit Muslimen aus der Gemeinde des Hauses der Weisheit in Moabit. Im Rahmen der Reihe \u201eIslam meets LGBTI\u201c organisierte Leadership Berlin \u2013 Netzwerk Verantwortung e.V. zum f\u00fcnften Mal einen Moscheebesuch und Diskussion von LGBTI-Vertreter*innen zum Thema Homosexualit\u00e4t und Islam.<\/p>\n<p>Unter den Besucher*innen war dieses Mal auch der stellvertretende B\u00fcrgermeister von Berlin und Senator f\u00fcr Kultur und Europa, Dr. Klaus Lederer, der seit Kurzem mit seinem Lebenspartner verheiratet ist. In seiner Begr\u00fc\u00dfung gab er zu denken, dass eine solche Begegnung eine \u201eZumutung\u201c f\u00fcr beide Seiten sei, dies jedoch im positiven Sinne. F\u00fcr ein gelingendes Zusammenleben in einer vielf\u00e4ltigen Gesellschaft sei genau dies unabdinglich: dass man Verschiedenheit aushalte und sich gegenseitig im Respekt begegne.<\/p>\n<p>[\/vc_column_text][vc_column_text]Moderiert wurde die Veranstaltung von Winfriede Schreiber, die vor ihrer Pensionierung u.a. Polizeipr\u00e4sidentin f\u00fcr Ost-Brandenburg und zuletzt Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes war. Bei meet2respect ist sie seit 2013 ehrenamtlich aktiv und begleitet im Koordinierungskreis dabei auch die j\u00fcdisch-muslimischen Begegnungen, zu denen u.a. die diesj\u00e4hrige Tandemfahrt von Imamen und Rabbinern f\u00fcr gegenseitigen Respekt geh\u00f6rte.<\/p>\n<p>Gastgeber der aktuellen \u201eIslam meets LGBTI\u201c-Begegnung war Abdallah Hajjir, Imam und Vorstandsvorsitzender der Gemeinde Haus der Weisheit (Darul Hikma) in Moabit, einer islamischen Gemeinde mit ca. 500 Mitgliedern, deren Familiengeschichte vornehmlich in arabischen L\u00e4ndern wurzelt. Abdallah Hajjir selbst kam 1978 aus Jordanien nach Deutschland. Er ist Bauingenieur und deutscher Staatsb\u00fcrger.[\/vc_column_text][vc_empty_space height=&#8221;8px&#8221;][vc_single_image image=&#8221;2488&#8243; img_size=&#8221;large&#8221; add_caption=&#8221;yes&#8221; alignment=&#8221;center&#8221;][vc_column_text]Der Imam begr\u00fc\u00dfte die G\u00e4ste \u00e4u\u00dferst herzlich und sprach offen \u00fcber seine Haltung zu Homosexualit\u00e4t. Seine Kernbotschaft lautete, dass man im Islam nicht \u00fcber andere urteilen d\u00fcrfe. Er zitierte den Koranvers \u201eEs gibt keinen Zwang in der Religion\u201c auf Deutsch und Arabisch. Einige der anwesenden Gemeindemitglieder fielen sofort in die Rezitation mit ein. Der Vers ist in der Gemeinde offensichtlich wohlbekannt.<\/p>\n<p>Es gebe zwar einige Dinge, die im Islam wie auch in anderen Religionen als S\u00fcnde betrachtet w\u00fcrden. Dazu geh\u00f6rten neben sexuellen Beziehungen vor oder au\u00dferhalb der Ehe auch homosexuelle Beziehungen. Es st\u00fcnde aber keinem Einzelnen an, \u00fcber andere ein Urteil zu f\u00e4llen. Der Islam und die Muslime setzten sich hier f\u00fcr gegenseitigen Respekt ein \u2013 und Probleme mit Homophobie gebe es nicht erst seitdem Muslime in Deutschland lebten. Er ordnete Homophobie insofern als \u201eein soziales Problem\u201c ein \u2013 nicht eines von Religion.<\/p>\n<p>Um die Botschaft zu unterstreichen, umarmte er seinen Kollegen Dieter Burmeister, der sich selbst schon vorab als \u201eHeide\u201c vorgestellt hatte, und bezeichnete ihn als seinen \u201eBruder\u201c. Und dabei sei die Tatsache, keinen Glauben zu haben, im Islam ein viel gr\u00f6\u00dferes Problem als Homosexualit\u00e4t.<\/p>\n<p>F\u00fcr Abdallah Hajjir geh\u00f6ren homosexuelle Beziehungen in den Bereich der \u201ePrivatsph\u00e4re\u201c, der nicht nach au\u00dfen getragen werden m\u00fcsse. Hier zeigte sich ein Konflikt mit den Interessen vieler der anwesenden Schwulen und Lesben. Er m\u00f6chte es nicht verheimlichen m\u00fcssen, dass er schwul sei \u2013 genauso wie der Imam vermutlich nicht verheimlichen wolle, dass er Muslim sei, \u00e4u\u00dferte sich einer der Teilnehmenden. Und f\u00fcgte hinzu, dass es dabei gar nicht darum gehe, was im Schlafzimmer passiere. Dar\u00fcber wolle auch er nicht \u00f6ffentlich sprechen. Es gehe bei dem \u00f6ffentlichen Bekenntnis zur Homosexualit\u00e4t um eine Frage der Identit\u00e4t.<\/p>\n<h4>Knackpunkt: Respekt oder Akzeptanz?<\/h4>\n<p>Einer der Knackpunkte in der Diskussion war die Differenzierung zwischen respektvollem Umgang miteinander trotz unterschiedlicher Lebensw\u00fcrfe und der Frage der Akzeptanz. Ein Gemeindemitglied \u00e4u\u00dferte die Meinung, dass er Schwulen und Lesben selbstverst\u00e4ndlich im pers\u00f6nlichen Umgang mit Respekt begegne, dass f\u00fcr ihn als Muslim homosexuelle Beziehungen aber genauso selbstverst\u00e4ndlich ausgeschlossen seien.<\/p>\n<p>An diesen Knackpunkt kn\u00fcpfte auch das Statement eines schwulen Teilnehmers an. Er betonte, dass er es sich nicht aussuchen k\u00f6nne, ob er schwul sei oder nicht, und wollte von Abdallah Hajjir wissen, wie dieser dazu stehe. Ja, es gebe Menschen, die diese \u201eVeranlagung\u201c h\u00e4tten und sich das nicht aussuchen k\u00f6nnten, best\u00e4tigte der Imam. Islamisch betrachte man das nicht als S\u00fcnde, sondern als \u201ePr\u00fcfung\u201c. Es gebe aber auch F\u00e4lle, in denen sich Frauen aus Entt\u00e4uschung \u00fcber das schlechte Verhalten ihrer M\u00e4nner dazu entschlossen h\u00e4tten, fortan mit einer Frau zusammenzuleben. Oder es gebe F\u00e4lle, in denen M\u00e4nner, die nach Verlust oder Trauma ohne jegliche Bezugspersonen seien, Zuflucht in einer homosexuellen Beziehung suchten.<\/p>\n<p>In dieser wie auch in einigen anderen Fragen zeigte sich, dass durchaus noch eine gro\u00dfe Diskrepanz in den Sichtweisen auf Homosexualit\u00e4t existiert. Die Gespr\u00e4che boten hier einen ersten Ansatz, die jeweils andere Position kennenzulernen und \u00fcberhaupt einmal in Kontakt miteinander zu kommen. Daran soll in Zukunft angekn\u00fcpft werden. Zum einen sprach die islamische Gemeinde die Einladung aus, dass nach diesem ersten Schritt auch jeder der G\u00e4ste gerne alleine f\u00fcr einen Besuch in der Gemeinde wieder kommen k\u00f6nne. Zum anderen lud ein Vertreter des Sonntags-Club, einem Treffpunkt f\u00fcr LGBTIQ im Prenzlauer Berg, umgekehrt die Gemeindemitglieder ein, ihrerseits einmal in die Begegnungsst\u00e4tte zum Gespr\u00e4ch zu kommen.<\/p>\n<p>Ein erstes handfestes Ergebnis des Gespr\u00e4chs stellt die Unterzeichnung der <a href=\"https:\/\/meet2respect.de\/religion-lgbti\/grundsatzerklaerung\/\">meet2respect-Grundsatzerkl\u00e4rung zum Thema Homophobie<\/a> durch den Vorsitzenden des Hauses der Weisheit dar. Die Erkl\u00e4rung, die auf einer Stellungnahme muslimischer Gemeinden von 2008 basiert, verurteilt in klaren Worten Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen sowie Gewaltanwendung.[\/vc_column_text][vc_empty_space height=&#8221;8px&#8221;][vc_gallery interval=&#8221;3&#8243; images=&#8221;2494,2492,2495,2491,2490,2489,2493&#8243; img_size=&#8221;large&#8221;][vc_column_text]Leadership Berlin dankt allen Teilnehmenden und Mitwirkenden, die die Begegnung erm\u00f6glicht haben, insbesondere dem Gastgeber Abdallah Hajjir und der Gemeinde Haus der Weisheit, dem Senator Dr. Klaus Lederer und Winfriede Schreiber f\u00fcr die Moderation.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\t\t\t\tIm Rahmen der Reihe \u201eIslam meets LGBTI\u201c organisierte Leadership Berlin \u2013 Netzwerk Verantwortung e.V. zum f\u00fcnften Mal einen Moscheebesuch und Diskussion von LGBTI-Vertreter*innen zum Thema Homosexualit\u00e4t und Islam.\t\t<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":2487,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,4],"tags":[10,15,17,22,26],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rmlsbti.ohne-unterschiede.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2484"}],"collection":[{"href":"https:\/\/rmlsbti.ohne-unterschiede.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rmlsbti.ohne-unterschiede.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rmlsbti.ohne-unterschiede.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rmlsbti.ohne-unterschiede.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2484"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/rmlsbti.ohne-unterschiede.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2484\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rmlsbti.ohne-unterschiede.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2487"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rmlsbti.ohne-unterschiede.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2484"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rmlsbti.ohne-unterschiede.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2484"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rmlsbti.ohne-unterschiede.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2484"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}